vom Funken zum Inferno

Ich war dieses Wochenende mal wieder in meiner alten Heimat und habe mich da mit einigen alten Freunden und Bekannten unterhalten. Erschreckender Weise habe ich da von mehreren Personen unabhängig ähnliches gehört: In dem Ort wurde vor nicht allzu langer Zeit ein neuer Stadtrat und Bürgermeister gewählt. Und, wen wunderts, trotz neuer Gesichter hat sich an den alten Mustern kaum was geändert.

Da gehen Abstimmungen grundsätzlich 11:10 für die CSU-Vorschläge aus, obwohl im Vorfeld hoch und heilig versprochen wurde, dass zum Beispiel ‘die Junge Union unabhängig sei und keinesfalls immer mit der CSU stimmen werde’. Nun kann man argumentieren, dass jeder, der das geglaubt hat, naiv sei. Dass man hier nicht überrascht sein darf. – und das stimmt wohl.

Was man jedoch NICHT vergessen darf: Wir reden hier nicht von Bundespolitik, nicht von Berufspolitikern, die von oben herab auf eine anonyme Wählermasse blicken.

Wir reden von einem Stadtrat in einem – man möge es mir verzeihen – kleinen Kaff in Oberfranken, mit 7500 Einwohnern. Einem kleinen Städtchen, in dem durchaus noch ‘jeder jeden’ kennt.

Hier haben also keine zentral gesteuerten Bundesparteien leere Wahlversprechen geformt und dem dummen Wahlvieh vorgeworfen – hier haben Freunde, Bekannte und Kollegen Wahlversprechen gegeben, die sie jetzt brechen.

Andere Berichten davon, dass Themen wieder und wieder zur Abstimmung gebracht würden, so lange, bis die Abstimmung positiv ausgeht – eventuell auch unter dubiosen Umständen.

All das klingt nach dem, was sich der gemeine Bürger halt unter einer Stadtratssitzung vorstellen wird. Traurig genug, dass wohl kaum jemand überrascht sein wird, wenn sich solche Unterstellungen am Ende als wahr herausstellen würden.

Was mich dann aber wirklich umgehauen hat – und was mir dann auch die Augen geöffnet hat, wie man an der IST-Situation etwas ändern könnte, ist diese Aussage (die ich auch unabhängig von den Aussagenden zu unterschiedlichen Themen bzw. Problemen mit den Beschlüssen des Stadtrats bekommen habe):

Ich habe meine Stimme abgegeben, mehr kann ich nicht tun!

Nun… wenn DAS die Grundhaltung ist, dann haben wir hier die Wurzel des Problems, denn diese Haltung ist schlichtweg falsch!

Klar, gewählte Vertreter lieben die Idee, dass Sie nach der Wahl unantastbar seien und keinerlei Rechenschaft mehr leisten müssten – doch das stimmt einfach nicht.

Grob vereinfacht gesagt, bekommen alle gewählten Volksvertreter ein Mandat von UNS, von den Wählern. Sie sind damit im Dienste des Staates unterwegs – und der Staat, das ist nicht die Regierung. Der Staat, das sind WIR ALLE.

Wir sind nicht das Volk – wir sind der Staat. Und in dieser Rolle hat jeder Bürger das Recht, von jedem Amtsträger jegliche Entscheidung begründet zu bekommen.  Wir alle haben die Möglichkeit, Transparenz zu fordern. Ins Rathaus zu gehen und dort die Protokolle der Sitzungen einzusehen – auch die, der nicht-öffentlichen (mindestens die Abstimmungsergebnisse).

Im Falle der oberfränkischen Kleinstadt gilt hier wieder: Diese Amtsträger sind keine Fremden! Die sitzen mit uns am Tisch in der Wirtschaft, stehen Sonntag Nachmittag mit uns am Fußballplatz oder feiern mit uns auf den Festen, die gegeben werden.

Wir müssen uns nur wieder bewusst werden, dass diese Leute UNS verpflichtet sind – UNS, den Wählern und Bürgern, nicht irgendeiner Parteilinie. Wir müssen zu ihnen gehen, sie ansprechen, sie fragen, warum sie abgestimmt haben, wie sie abgestimmt haben.

Wir müssen diese Leute, die wir noch direkt greifen können, wieder unter Druck setzen, in unserem Sinne zu handeln. Denn an dieser Stelle können wir das noch!

Eine Bundeskanzlerin lacht, wenn eine anonyme Masse von 20.000 Leute auf die Strasse gehen und demonstrieren. Ein kleiner Bürgermeister aber, der die 100 Menschen vor seinem Rathaus persönlich kennt, KANN sie nicht ignorieren. Denn das hätte üble Konsequenzen für ihn – denn er muss sich rechtfertigen. Wenn nicht vor den Demonstranten, dann beim nächsten Besuch in der Kneipe…

Das gilt auch für jedes Mitglied des Stadtrates. Also geht hin, geht zu diesen Leute und fragt sie, warum sie tun, was sie tun. Geht ins Rathaus und begutachtet die Protokolle – und fragt nach jeder Unstimmigkeit, die euch auffällt.

Wenn der Druck ganz unten anfängt, dann wird er sich nach oben ausbreiten. Dann wird aus einem kleinen Funken irgendwann ein großes Inferno, und dann kann unsere Regierung sich nicht mehr mit leeren Phrasen aus der Affäre reden. Dann wird sich vielleicht endlich etwas ändern können, und wir, die Bürger, rücken wieder ins Zentrum der politischen Interessen, statt nur als notwendiges Ärgernis gesehen zu werden.

Geht ins Rathaus, geht zu euren gewählten Vertretern, die euch direkt in die Augen schauen müssen und seid unbequem! Zeigt, dass ihr Interesse habt und zeigt, dass ihr eben NICHT euer Mitspracherecht mit einem einzelnen Kreuz auf einem Zettel alle vier oder fünf Jahre abgetreten habt!

Interessiert euch! Empört euch! Wehrt euch! Fordert Antworten! Schweigt nicht, wenn ihr diese Antworten nicht bekommt!

Denn eins scheint mir jetzt klar: Die Veränderung wird dieses mal nicht in irgendwelchen Großstädten los getreten werden. Dieses mal muss es im kleinsten anfangen, denn wo Menschen sich noch gegenseitig kennen, wird es schwer, sich zu ignorieren.

 

 

Die fehlgeleitete Herde

PEGIDA – das Schimpfwort eines jeden aufrechten NICHT-Nazis dieser Tage.

Ich muss zugeben, mich schockiert auch, dass sich derart viele Leute instrumentalisieren lassen, um auf ein Problem aufmerksam zu machen, welches im Vergleich zu anderen dermaßen unwichtig erscheinen muss, dass es einem eigentlich nur peinlich sein kann:

Da gehen grob 15.000 Menschen auf die Strasse, um gegen eine vermeintliche Islamisierung des Abendlandes zu demonstrieren, ohne zu wissen, was sie da eigentlich tun und wollen.

Das verdeutlicht der Beitrag aus Panorama, in dem ungeschnitten einfach mal die Aufzeichnungen präsentiert werden, sehr schön:

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/PEGIDA-ROH-2,panorama5344.html
http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/Pegida-Die-Interviews-in-voller-Laenge,panorama5340.html

Obendrauf kommen nochmal 5000-10.000 Menschen, die sich dem entgegenstellen wollen. Würde man das Panorama-Team auf diese Seite schicken, käme mit 99,99% Wahrscheinlichkeit exakt die selbe, undifferenzierte und uninformierte Sauce dabei raus, aus einer anderen, eher als ‘links’ empfunden Richtung.

Daran, dass SO GUT WIE KEINER der Menschen, die da auf der Strasse stehen wissen, WARUM sie da sind, ändert das aber nix.

Und genau das ist die Krux an der ganzen Geschichte: Ich glaube den Leuten, wenn sie sagen, sie seien keine Nazis. Ich glaube ihnen, wenn sie sagen, sie seien nicht rechts. Diese Menschen sind verunsichert und verängstigt, sie bemerken, dass irgend etwas mit unserer Gesellschaft passiert. Sie merken, dass die reichen immer reicher werden, und die nicht-reichen immer härter arbeiten und kämpfen müssen, um ihren Lebensstandard zu halten. Gleichzeitig wird von allen Seiten immer weiter suggeriert, dass Lebensstandard nur durch materielle Güter zu repräsentieren ist. Zusammenhalt, Gemeinschaft, Stolz und Ehre sind in unserer Gesellschaft als altmodisch, sogar als schlecht gebrandmarkt. Als ich noch verdammt klein war, kann ich mich daran erinnern, dass sehr häufig über die sogenannte ‘Ellenbogen-Gesellschaft’ gesprochen wurde. Darüber, dass es nicht gut ist, dass jeder nur noch für sich selbst stehen soll, ohne auf das große Ganze, auf die Gemeinschaft, zu schauen.

Heute? Heute ist das, was damals befürchtet wurde, die Norm. Und diese Norm ist nicht gesund für eine Gesellschaft, die nur in Gemeinschaft existieren kann, und nur in Gemeinschaft erfolgreich sein kann. Hier schlage ich den Bogen zurück zu PEGIDA:

Die Menschen, die da für alle Seiten auf die Strasse gehen, merken, dass unsere Gesellschaft krankt. Leider tut diese Masse genau das, was solche Ansammlungen schon immer getan haben: Sie folgen polemischen Anführern, die sie auf den vermeintlichen Sündenbock lenken. Das ist einfach, denn dieser Sündenbock hat keine Lobby, keinen, der ihn ernsthaft verteidigt und ist selbst schwach.

Flüchtlinge und Asylanten werden hier instrumentalisiert, um dem erwachenden Volkszorn als Ventil zu dienen – und es ist ja ach so einfach. Ohne sich auch nur minimal informieren zu müssen, kann man hier “Fakten” anbringen, denn DIE bekommen ja alles in den Arsch. DIE sind keine Kriegsflüchtlinge, DIE machen Rabatz in der Straßenbahn und verkaufen Drogen.

Das ist so schön einfach, “Das wird man doch noch sagen dürfen!”, und DIE können sich nicht dagegen wehren, denn DIE verstehen ja nicht mal, was ihnen vorgeworfen wird.

Weil dieses Verhalten so abstoßend ist, gehen “DIE ANDEREN” auf die Strasse, wollen PEGIDA aufhalten, wollen “Ein Zeichen setzen”, dass der ausgewählte Sündenbock eben NICHT alleine ist, und dass es ja vernünftige Menschen gibt in diesem Land, die sich dem entgegenstellen wollen. Denn auch “DIE ANDEREN” merken, irgendwas läuft falsch in unserer Gesellschaft, irgendwas ist hier nicht mehr in der Balance, irgendwie werden nur sehr wenige Leute immer reicher, und unsere Gesellschaft gefühlt immer dümmer.

Gleichzeitig instrumentalisieren auch “DIE ANDEREN” die Lage der Asylanten und Flüchtlinge, um ihre eigene Agenda durch zuziehen und deutlich zu machen, weil auf dem Rücken dieser armen Leute Stimmung gegen sie gemacht wird. Wirklich helfen tut von denen aber auch keiner. Grosses Kino.

Also haben wir jetzt plötzlich 20.000 bis 25.000 Menschen auf der Strasse, die EIGENTLICH das Selbe Ziel haben: Ein Umdenken in der Gesellschaft, die Heilung der Gesellschaft und eine Rückkehr zur Gemeinschaft (Ueber deren Werte wird und soll ordentlich gestritten werden, das ist gut und Gesund!), die sich umeinander kümmert, in der man sich sicher und geborgen fühlt, ohne Elemente, die diese Sicherheit stören würden.

Wenn diese Menschen jetzt verstehen würden, dass diese “Störenden Elemente” nicht in Asylantenheimen sitzen, und auch nicht in der Moschee (zumindest nicht störender und gefährlicher, als die Elemente in den Kirchen aufm Dorf), sondern ganz oben, in unseren Regierungen und Parlamenten. Wenn diese Menschen verstehen würden, dass ihr Hass und ihre Furcht zwar auf Asylanten und für die andere Seite PEGIDA gerichtet ist, jedoch verursacht wurde durch jahrelange Misswirtschaft und politische Schweinereien, durch Verschwendung und Mauschelei… Wenn sie realisieren würden, dass BER, Stuttgart 21, die Elbphilharmonie und vieles mehr deutliche mehr kosten, als uns alle Asylanten zusammen jemals kosten werden.Wenn sie sehen würden, dass plötzlich Milliarden für Bankenrettungen locker gemacht werden, ohne auch nur einen der Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Wenn sie begreifen würden, dass ein Freihandelsabkommen hinter verschlossener Tür verhandelt wird, welches unseren Rechtsstaat umgehen und aushebeln soll und wird.

(Und die einzigen, die diese Umstände tatsächlich ernsthaft kritisieren sind Satiriker und Comedians. Dazu werde ich aber nochmal gesondert schreiben – die generelle Medienschelte ist mir inzwischen zu platt und unreflektiert.)

Wenn sie bemerken würden, dass 25.000 Menschen, die statt gegen die Schwächsten in unserer Gesellschaft gegen die vermeintlich Starken ziehen würden, wenn sich diese Menschen vor dem Reichstag in Berlin sammeln würden und unsere sogenannte Regierung daran erinnern würden, dass ihre Macht nur solange reicht, wie wie als Volk sie reichen lassen.

Wenn sie sich in Frankfurt vor den Glaspalästen der Banken sammeln würden und jeden einzelnen Euro von ihren digitalen Konten als Bargeld einfordern würden, nur um dann zu sehen, wie das Kartenhaus der Finanzwirtschaft erbeben würde…

Ja, wenn sich diese Menschen DARAN erinnern würden, ich würde mit ihnen ziehen. Ich würde mich sogar an ihre Spitze stellen, mit der ersten Fackel und der ersten Mistgabel in der Hand.

Und dann würde ich mit ihnen, mit euch allen, zurecht rufen:

WIR! Sind das Volk!

Denn auch wenn ich selbst nur ein polemischer Anführer wäre, der die Massen lenkt: Immerhin würde ich niemals auf einen schwachen Sündenbock marschieren, sondern mir immer den stärksten aussuchen, der meinem Ziel einer gesunden, heterogenen und starken Gesellschaft im weg steht. Und das sind definitiv keine Zuwanderer und noch weniger Asylanten, die Schutz und Hilfe suchen.

So aber? Nein. Ihr steht gegen die falschen.

 

 

Nachtrag:

Wie sich herausgestellt hat, ist einer der interviewten Demonstranten ein RTL-Undercover-Reporter gewesen.
Zeigt sehr schön, wie nutzlos und schlecht RTL doch ist. An meinen Aussagen ändert ein einzelner gestellter Depp jedoch nichts. Der Vollständigkeit halber soll das hier aber nicht verschwiegen werden.
Hier der Link zur Stellungnahme des NDR dazu, gefeuert wurde der Type inzwischen auch:
http://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/RTL-inkognito-bei-Pegida-So-gefaehrdet-man-Glaubwuerdigkeit,pegida150.html

Divide et Impera

Einen wunderschönen guten Silvester, liebe Leserschaft.

Da dieses Jahr nu beinahe zu Ende ist, habe ich mich dann doch aufgerafft, noch einen letzten Blogeintrag zu verfassen – ich gelobe Besserung fürs nächste Jahr. Vielleicht schaffe ich da dann paar mehr Texte.

Worum es mir heute geht? Um uns alle. Ganz banal. Um uns, unsere Gesellschaft und unser Miteinander. Um die Machtzentren, die zweifelsohne existieren und darum, dass ‘die da oben’ gegen ‘uns da unten’ irgendwie nicht komplett korrekt zu sein scheint.

Aber von Vorne. Der Titel heißt “Divide et Impera”, eine lateinische Formulierung aus Machiavellis ‘Der Fürst’. Vereinfacht ausgedrückt heißt das soviel wie ‘spalte deine Untergebenen in so viele kleine Grüppchen wie irgend möglich auf, dann sind sie so sehr mit sich und ihren kleinen Problemchen beschäftigt, dass sie sich nicht mehr um die großen, wichtigen Themen kümmern, und du als der Herrscher hast quasi freie Hand’

Und wir sind gespalten. Wenn ich mich so umschaue, dann finde ich eigentlich fast nur noch Gräben um mich herum, aber kaum mehr gemeinsame Verbindungen:

  • Ich bin Club-Sympathisant, DU bist glühender Bayernfan
  • Ich benutze Android, DU bist Apple-Fan
  • Ich halte das Weltgeschehen für wichtiger, wahrend DU meinst, eine minutengetreue Berichterstattung über den Zustand von Schumi ist unerlässlich
  • Ich trinke gerne fränkisches Bier, DU schwörst auf Astra
  • Ich höre gern auch mal elektronische Musik, dir kommt nichts in den Gehörgang, das nicht an Silvester auch zum Bleigießen verwendet werden kann

Dies Liste ließe sich ins Unendliche fortsetzen, ich denke jedoch, dass ihr meinen Punkt versteht. All diese kleinen, alltäglichen ‘Grenzen’, die für sich genommen und in den meisten Fällen auch vollkommen Harmlos sind, führen in der Summe dazu, dass wir uns viel mehr auf die Differenzen konzentrieren, als auf unsere gemeinsamen Ziele.

Genau diese Ziele aber, scheinen mir das zu sein, was uns als Menschen und als Gesellschaft voranbringen kann…

Diese gemeinsamen Ziele sind eigentlich simpel:

  • ein ‘gutes’ Leben, in dem man selbst bestimmt, was ‘gut’ ist
  • Gesundheit

Viel mehr an solchen ‘Meta-Zielen’ fällt mir auf Anhieb gar nicht ein. Das ‘Gute Leben’ deckt ja einfach so ziemlich alles ab, die Gesundheit halte ich als zusätzlich erwähnenswerten Aspekt, über den es kaum Differenzen geben dürfte.

Und schon sind wir am zentralen Punkt: Selbstbestimmung. Diese ganzen kleingeistigen Gräben, die ich oben genannt habe (und von denen ich natürlich auch nicht befreit bin), sorgen dafür, dass wir uns selbst immer mehr und mehr einschränken, und das ohne echte Not. Du magst keine elektronische Musik? Dann hör ich mal lieber keine, wenn du da bist. Ist in einem gewissen Mass Rücksicht, kann aber durchaus bis zur Selbstverleugnung führen, wenn man zum Beispiel nicht zugibt, auch elektronische Musik zu hören, um nicht dumm da zu stehen.

Missverstandene, vorauseilende Rücksicht ist ein klassisches Beispiel der gut gemeinten Dinge, die den Weg zur Hölle pflastern. Vor überbordender Politically Correctness verbiegen wir uns bis zur Selbstaufgabe, aus Angst, irgendwer könnte durch einen Ausspruch unsererseits beleidigt sein – und ohne es zu merken, reißen wir damit die Gräben, die wir vermeiden wollen, noch weiter auf.

Wir dürfen nicht mehr Negerkuss sagen, weil ein Neger beleidigt sein könnte. Dass dieses ‘könnte’ und die ganze Idee in 90% der Fälle nicht vom Neger kommt, sondern von irgendwelchen vorauseilend gehorsamen Leuten, die meinen, allen anderen vorschreiben zu können, was gut für sie ist, das übersehen wir. Wir glauben die ganze Zeit, wir würden Minderheiten schützen – vollkommen egal, ob die denn geschützt werden wollen oder sich überhaupt als Minderheit sehen.

Und schwups, ein neuer Graben, eine neue ‘Gruppe’, die irgendwie abgegrenzt wird. Ich sage bewusst abgegrenzt, nicht ausgegrenzt. Das KANN daraus erwachsen, muss aber nicht zwangsläufig der Fall sein. Was aber ganz sicher passiert, ist, dass wir dadurch immer mehr genau aufpassen,was wir zu wem sagen, immer misstrauischer werden, weil wir das Gefühl haben, bald wieder von irgend einer ‘Sprachpolizei’ oder sonst was angemosert zu werden. Wir schränken uns selbst ein, wir verbauen uns die Chance auf eben das glückliche, selbstbestimmte, erfüllte Leben, nur um irgendwelchen gesellschaftlichen Zwängen zu dienen, die wir selbst eigentlich ablehnen.

Da läuft doch was ganz gewaltig schief. Wir müssen endlich aufhören (und mit WIR meine ich explizit auch mich selbst!), UNSERE Sicht der Dinge als die beste für jedermann zu propagieren und allen anderen einhämmern zu wollen. Es wird immer gesellschaftliche Normen geben, und diese Normen erwachsen daraus, was der grösste Teil der Gesellschaft eben als ‘normal’ ansieht.

Ich für mich selbst werde in Zukunft versuchen, meine Sichtweise nicht nur hinzustellen, sondern auch zu untermauern. Nicht nur sagen, XY ist toll, sondern auch wenigstens einen Grund dafür zu nennen, warum das FÜR MICH so ist.

Auch dieser Text soll bitte so verstanden werden: Das ist MEINE Sicht der Dinge. Wem sie gefällt, der darf sie sehr gerne annehmen, wem nicht, der darf sie kritisieren. Aber NIEMAND sollte das was hier geschrieben steht, als Dogma ansehen, weder von der einen, noch von der anderen Seite.

Nur auf diese Art können wir es erreichen, dass wir die Sichtweise der anderen respektieren, eventuell sogar verstehen. Teilen oder selbst annehmen ist hier nicht notwendig. Ich muss kein Astratrinker werden, nur um einzusehen, dass es Leute gibt, denen das tatsächlich schmeckt.

Wenn uns das gelingt, dann werden die Gräben zwar nicht verschwinden, sie werden jedoch nicht mehr im Weg sein. Denn sie sind dann nur genau das: kleine Gräben, die man mit ein wenig guten Willen einfach überspringt.

Dann können wir uns abseits aller kleinlichen Scharmützel auf die großen Ziele konzentrieren, dann können wir sehen, dass unsere Freiheit wieder hergestellt wird.

Und wenn die Masse, und damit die Norm meint, Sicherheit geht vor?

Dann müssen wir auch das respektieren – und müssen uns selbst Alternativen schaffen. Wie auch immer die dann aussehen werden.

Doch zunächst sollten wir uns auf alles besinnen, was uns verbindet, statt uns darauf zu konzentrieren, was uns (vermeintlich) trennt.

In diesem Sinne, einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr 2014

Uli

Die Qual mit der Wahl

Es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz. Also nicht dem, an dem irgend ein Zimmermann seit 2000 Jahren festgenagelt rumhängt (DAS ist ja wohl mal der heftigste Arbeitsunfall aller Zeiten, oder?!), sondern das, das wir in Angies Gnaden am 22. auf ein Stück Papier malen dürfen.  (JAAAA doch wieder Politik – das Thema bewegt mich halt immoment… oder in etwas weniger diplomatischer Ausdrucksweise: Es geht mir unfassbar auf den Sack)

Generell finde ich die Idee ja ziemlich toll, dass man in einem demokratischen Staat die Regierung wählen darf. Auch dass die dann erstmal 4 Jahre in Ruhe arbeiten darf, ist generell gut. Wie bei so vielem ist der Grundgedanke absolut super und erstrebenswert.

Blöd ist nur, dass mir als Bürger der Eindruck entsteht, es sei nichts mehr von diesem Grundgedanken übrig.  Unsere Regierung nimmt zu den Themen, die mich persönlich bewegen kaum Stellung, die Alternativen helfen mir aber auch nicht unbedingt.

Das größte Problem sehe ich darin, dass Wahlversprechen nicht bindend sind. Parteien können uns munter das Blaue vom Himmel versprechen und am Ende lachend den Stinkefinger zeigen. Man erinnere sich hier an den Wahlkampf 2005, in dem die SPD eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ausgeschlossen, die Union 2% gefordert und die große Koalition am Ende 3% durchgesetzt hat.

Es gab Zeiten, da wurden Menschen, die sowas gemacht haben, im großen oder kleinen, dafür zur Rechenschaft gezogen. Unsere Politiker müssen aber für NICHTS was sie tun einstehen. Das schlimmste, was ihnen passieren kann, ist ein Rücktritt inklusive ordentlicher Pension. Davon hatten wir in den letzten 4 Jahren auch mehr als genug (Und wenn die Affäre um den Eurohawk nicht weiter ausgesessen wird, ist DeMaizere auch bald dran).

Wie soll man denn bitte so einem Haufen zwielichtiger Gestalten trauen? Und wen soll man wählen, wenn man von vorn herein weiß, dass die Versprechen nur solange gelten, bis irgendwem was dümmeres einfällt?

Lustigerweise gibt es ja den Wahl-O-Mat , mit dem man sich als Bürger auf einen klick sagen lassen kann, wen man denn nun bitte wählen soll. Ich habe den Test gemacht und folgendes Resultat bekommen:

 wahlomat

Ich fasse also mal zusammen:

  • Die Themen, die mich am meisten interessieren, werden am besten von einer Satirepartei repräsentiert – bin ich wirklich so zynisch?
  • Die Piraten wollen auch einigermaßen das, was ich will – aber sind wir mal ehrlich: Opposition kann ich mir gut für sie vorstellen. Regieren? Nein.
  • Die Linke hat in 40 Jahren DDR bewiesen, dass ihre Thesen auch nicht mehr wert sind als die der anderen. Tut mir Leid. Ich glaube euch nicht, dass ihr das ernst meint, was ihr sagt. Auch wenn ich Gysi mag.
  • was im Namen aller Dinge mit einem Namen macht die NPD auf Platz 4 in einer Liste, die augenscheinlich eher linkshippie-Sozial ausgerichtet ist? Ich unterstelle mal, dass ich in einer Neuauflage des 3. Reichs nicht besonders viel Spaß hätte und zweifle hier deutlich den Nutzen des Wahl-O-Maten an. Oder sehe meine These der Wählertäuschung durch falsche Wahlversprechen untermauert – Im Fall der NPD mal wieder vollkommen am Ziel vorbei, da sie Leute mit Lügen locken wollen, die offenbar auf falschen Seite des politischen Spektrums sitzen… Wenn das der Föööhrer wüsste!
  • Die amtierende Regierung inklusive Opposition stimmt augenscheinlich am wenigsten mit meiner Vorstellung überein? DAS ist mal keine Überraschung… Die müssen also selbst das Lügen noch üben…

Der Wahlautomat hat mir also auch nicht so wirklich weitergeholfen – vornehmlich auch, weil die Punkte, die mich wirklich bewegen, kaum angesprochen werden. Um dem entgegenzuwirken, tu ich das einfach selber:

Ich wünsche von meiner Regierung zukünftig:

  •  Klare Positionierung! Egal ob bei außenpolitischen Fragen oder innenpolitischen Themen. Ob mir die Position gefällt oder nicht, ist dahingestellt, denn wenn sie fest ist, weiß man, wo man steht und kann gegebenenfalls reagieren.
  • Keinerlei verdachtlose Überwachung durch den Staat, auch nicht unter dem Deckmantel Terrorbekämpfung! Keine Flächendeckende Videoüberwachung, keine Speicherung von Verbindungs- oder Inhaltsdaten
  • Hartes Vorgehen bei den Themen Prism und Tempora – Zurück zur Tagesordung darf nicht möglich sein, bevor hier nicht alles offengelegt und die Programme beendet sind!
  • 100% Transparenz in alle Regierungsvorgänge. Wir befinden uns nicht im Krieg, also ist auch keine Geheimnistuerei vor dem Feind nötig. Ich will wissen, wo mein Steuergeld hinfließt. Jeder einzelne Cent. (Wie sagt ihr immer so schön? Wer nichts zu verbergen hat…)
  • Offenlegung aller Abgeordneteneinkünfte bis zum letzten Cent. Wer als Von mir bezahlter Volksvertreter Nebeneinkünfte haben will, muss die offenlegen.
  • Eine Krankenversicherung, die alle Behandlungen, die ich brauche trägt. Ohne Wenn und Aber. Ohne öffentlichen Wettbewerb, ohne Unterscheidung zwischen Privat und Gesetzlich. Wenn ich zum Arzt gehe, will ich die bestmögliche Behandlung erfahren, egal ob ich Zahnersatz brauche oder einen Ausschlag am Arsch habe.
  • Ich möchte, dass die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens zumindest öffentlich diskutiert wird. Denn nur dadurch kann es zu einem Schluss kommen, an dessen Ende steht, ob es eine gute oder eine schlechte Idee ist. (Dazu schreibe ich eventuell nochmal einen gesonderten Eintrag)
  • Grundversorgung muss zurück in staatliche Hände. Die letzten Jahre der Privatisierung haben gezeigt, dass gewisse Bereiche des Lebens NICHT zur Profitmaximierung herhalten dürfen. Dazu gehört das Gesundheitswesen, Wasserversorgung, Energieversorgung, Transport-Infrastruktur (Straßenbau, Schienen, allgemein Transportwesen) und sicherlich noch mehr, das mir gerade nicht einfällt.
  • Nerzneutralität. Das Internet MUSS auf technischer Ebene neutral bleiben, um freie Meinungsäusserung weiterhin zu ermöglichen.

Wenn mir eine Regierung diese Punkte ermöglicht, dann bin ich glücklich. Natürlich ist das eine 100% subjektive Liste. Was anderes will sie auch gar nicht sein.

ODER ich gründe fix ne eigene Partei und werd’ Imperator. Fänd ich selber recht gut! 😀

Ich empfehle jedem, sich selbst eine solche Liste zu erstellen und dann zu prüfen, ob und wenn ja, wer diese Wünsche denn erfüllen kann.

Fröhliches Kreuzigen am 22. September,
Uli

 

Anti? Faschismus!

Eigentlich wollte ich mich nicht – oder nicht mehr – zu politischen Themen äußern. Das sollen die Leute machen, die da mehr Spaß dran haben, sich die Holzköpfe aneinanderzuhauen und sich über den hohlen Klang freuen.

Ich wäre aber auch nicht ich, wenn ich nicht ab und an mit meinen Prinzipien brechen würde, wenn es mir notwendig erscheint. Merke: Prinzipien sind richtig und wichtig – Dogmen sind es nicht! Also den eigenen Standpunkt immer und immer wieder auf den Prüfstand stellen und gegebenenfalls an die Realität anpassen. Auch wenn es bedeutet, sich einzugestehen, selbst mal falsch gelegen zu haben. Denn sind wir mal ehrlich: Es erfordert mehr Größe, einen Fehler einzugestehen und fremde Argumente zu akzeptieren, als sich den Kopf zu vernageln und alles, was nicht ins eigene Weltbild passt, kategorisch auszusperren.

Und damit habe ich auch den Bogen gespannt zu dem Thema, das mich seit langem ärgert, seit kurzem aber vom Ärgernis zu einem in meinen Augen ernsthaften Problem herangewachsen ist.

Es geht um Faschismus und Antifaschismus. Dass der originale Faschismusbegriff nicht mehr ganz korrekt ist, sollte nicht verwundern(immerhin gehts ja nicht um Italiener… meistens jedenfalls), daher ziehe ich hier eine wohl derzeit allgemeingültigere Interpretation des Begriffes vor:

“Der Faschismus duldet keine andere Weltanschauung neben sich. Getreu dem Führerprinzip haben sich alle seinen Regeln, die vom Führer sozusagen verkörpert werden, in ihrem Denken und Handeln zu unterwerfen. Das Führerprinzip ist mit allen Mitteln durchzusetzen. Gewalt gilt dabei als absolut legitim. Als ebenso legitim gilt die gewaltsame Machtergreifung, denn der “natürliche” Anspruch auf die Macht besteht aus der Sicht des Faschisten ohnehin. Diese Macht ist demnach dauerhaft zu sichern. Meinungsfreiheit, demokratische Strukturen, eine funktionierende Opposition oder gar freie Wahlen sind daher in solchen Systemen nicht denkbar.”
Quelle: dir-info.de

Dementgegen sollte man meinen, der Antifaschismus tritt für Meinungsfreiheit, Toleranz, Weltoffenheit und ein buntes Miteinander aller Weltanschauungen ein, auch für Demokratie und Freiheit. Dafür, dass niemand das Recht hat, jemand anderem seine Weltsicht aufzuzwingen oder seine eigene zu verbieten.
(Poppers Paradoxon der Toleranz klammere ich an dieser Stelle bewusst aus, darauf gehe ich später ein)

Nun, wenn man das Obenstehende so liest, müsste man eigentlich der Meinung sein, dass Antifaschismus etwas tolle, erstrebenswertes ist. Leider sieht die Realität, wie bei allen Ideologien, etwas anders aus:  Die Antifa geht mehr und mehr dazu über, alles und jeden, der/das nicht in deren Weltbild passt, zu verdammen. Man versteckt sich hierbei immer schön hinter dem Deckmäntelchen der Politically Correctness, indem man beispielsweise auf (in deren Augen sexistische) Geschlechtsformen in Texten verzichtet bzw. diese zweigeschlechtlich angibt (z.B. Mitglieder_innen). An sich eine schöne Idee, die auch durchaus zu den obigen Ansätzen passen würde. Wäre da nicht das Problem mit allem, was gesinnungstechnisch rechts der Antifasprachrohre steht. Definitionsgemäß dürfte das so ziemlich alles sein…

Sobald irgendetwas oder irgendwer erstmal ins Visier dieser Aktivisten geraten ist, scheint es einfacher zu sein, den Dalai Lama zum Papst zu wählen, als die oftmals blind hetzende Meute von Antifaschistischen Freiheitskämpfern davon zu überzeugen, dass sie sich a) geirrt haben könnten oder b) das Ziel vielleicht einen früheren Fehler eingesehen und korrigiert hat.

Populärstes Beispiel sind hier sicher die Onkelz, oder aus der näherern Vergangenheit Bands wie Varg. Distanzieren, entschuldigen, nicht wieder tun, all die Dinge, die man normalerweise als Wiedergutmachung nach einem Fehltritt erwartet, werden ignoriert oder als Heuchelei abgestempelt.

In einer Diskussion um Varg (als Anmerkung: ich kann die nicht leiden 😉 ) habe ich die strikten “Das sind doch Nazis!”-Brüller gefragt, was sie denn erwarten würden, was eine Band wie Varg tun müsste, um sich in ihren Augen zu rehabilitieren.

Die Antwort war ebenso erwartet wie traurig: Schweigen. Es gab keine Antwort von Seiten der Ankläger, keinen Vorschlag, wie man die in ihren Augen gescheiterten Mitglieder der Gesellschaft zurückholen kann.

Das lässt für mich leider nur den Schluss zu, dass eben diese panischen Ankläger eigentlich nicht konstruktiv sein wollen. Sie wollen etwas oder jemanden, der nicht in ihr eigenes Weltbild passt, nicht haben, ausgrenzen, am liebsten verbieten und verbannen, mit (verbaler) Gewalt auch anderen die eigene Denke aufzwingen und jeden, der sich nicht ihrer Sicht auf den Fall anschließt, ebenfalls zu denunzieren.

Das sieht für mich deutlich mehr nach den Prinzipien des Faschismus aus, als nach Antifaschismus. Mit Toleranz hat das in jedem Fall ganz sicher nichts zu tun.

Eines vorweg: Die grundlegende Maxime der Toleranz und der meinungsfreiheit bedeutet für mich (kA ob das schon irgendwer berühmtes so gesagt hat):

“Meinungsfreiheit bedeutet immer zwingend die Freiheit der ANDEREN Meinung”

Denn den Menschen nur die Meinung zuzugestehen, welche auch meiner eigenen entspricht… nun ja… das ist dann wieder eher faschistisch.

Selbstverständlich muss auch Toleranz grenzen haben, das wusste schon Karl Popper, auf dessen Philosophischen Thesen ein großer Teil unseres Grundgesetzes fußt.

“[…]Paradox der Toleranz: Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.”
Quelle: Die Zeit
Diese Theorie wir gemeinsam mit Ovids Principiis obsta”, zu deutsch “Wehre den Anfängen”  als Rechtfertigung genommen, gegen alles zu schießen, was eben der eigenen Weltsicht zuwider läuft.
Auch hier ist, wie so oft, die Theorie absolut korrekt, in der Praxis wird aber einfach nicht (mehr?) differenziert.
Daher meine Bitte an diejenigen, die allzu leichtfertig die Nazikeule auspacken: Nehmt eure eigenen Grundsätze, versteht sie wieder und wendet sie zunächst auf euch selbst an. Sicher sind nicht alle Antifa-Mitglieder- und Sympathisanten derart undifferenziert. Andererseits muss sich eine Gruppierung, die immer allen anderen vorwirft wegzuschauen, den Vorwurf gefallen lassen, blind zu sein, wenns um die eigenen Reihen geht.
Mir ist vollkommen bewusst, dass sich ein überzeugter Antifa-Anhänger nicht vorstellen kann, dass man sein Land liebt. Dass Patriotismus etwas gutes sein kann und dass diese Einstellung keinesfalls in Richtung totalitäres 4. Reich steuern muss.
Aber genau das ist der Punkt: Als toleranter Mensch MUSS man das Gegenüber nicht verstehen. Man muss es lediglich akzeptieren.
Man muss Bands wie die Onkelz und Varg nicht toll finden. Man darf lediglich anderen Leuten nicht verbieten, sie toll zu finden.
Was derzeit aber im linken Lager abgeht, zeigt mir wieder deutlich, dass das Universum in sich gekrümmt ist:
Extrem rechts und extrem links treffen sich ganz hinten, wo das Hirn am fernsten und der Arsch am nächsten ist! 
In diesem Sinne,
euer (zumindest versucht) tolerantes Cookiemonster

Pferdefleisch? Lecker!

So, da haben wirs: Der schon beinahe obligatorische Lebensmittelskandal so einmal pro Jahr. Irgendwas is ja immer da, um uns den Appetit zu verderben: BSE, EHEC, Schweinepest, Vogelgrippe, Gammelfleisch, Angela Merkel (hm… ich wiederhole mich…) und nu Klepper in der Lasagne.

Was können wir uns nun alle herrlich aufregen! So ein Lebensmittelskandal, der is immer was feines. Der trifft alle Bevölkerungsschichten, und jeder kann was dazu sagen.

Unsre Politiker können frohgemut empört und betroffen sein, das freut die immer. Schließlich braucht man da ja keine Ahnung von irgendwas, nur nen bedröppelten Gesichtsausdruck. Anschließend kann man lauthals verkünden, dass da was getan werden muss, und man kann in orgasmatischer Freude anfangen, wieder irgendwas wild und ohne Sinn und Verstand zu regulieren! Klasse!

Dann haben wir die armen Schweine aufm Plan, die sich nunmal kein Hackfleisch für 6 Euro das Pfund vom Biobauern leisten können. Wo soll schließlich sonst die Kohle fürs dritte iDiot-Gerät und die sauteuren Cocktails im Hipsterclub herkommen? Das is schon wichtiger, als was vernünftiges aufm Teller.

Warum? Leicht zu erklären:

  • Was auf den Teller kommt, sieht man nur auf dem Instagram-Bild in allen social-network- Kanälen. Und gammeliges 99ct Hack sieht darauf ja nicht anders aus als qualitativ hochwertiges Fleisch.
  • Das Endprodukt interessiert keinen, im Gegensatz zum tollen neuen Handy. Da guggen die in der Bahn alle immer blöd neidisch (es könnte eventuell auch genervt oder mitleidig sein…). Aber versuch mal, das Resultat von einer Lasagne, egal ob TK oder hochwertig selbst gemacht in der überfüllten SBahn zu präsentieren…
  • Zeit hat ja auch keiner dafür, gescheit zu kochen. Hallo? Wann soll denn das bitte auch gehen? Etwa zwischen den Facebook-Statusupdates oder in der Dchungelcamp-Werbepause? Wo lebt ihr denn bitte? pah!

Tja, und dann haben wir noch die Fraktion derjenigen, die sich alternativ ernähren. Alternativ heißt hier, abseits der omnivoren Norm. Leider gibt es in dieser Gruppe bei weitem zu viele, die mit fanatischem Eifer jedem, der NICHT ihrer Futtergruppe angehört, ihre Philosophie aufzwingen wollen. Das ist ohne Skandal schon schlimm genug, wird aber erst wirklich anstrengend, wenn solche Geschichten den Eierköpfen auch noch scharfe Munition liefern. Den armen Typen platzt da doch vor Schreck ein Blutgefäß im Kopf, wenn die merken, dass sie nun auf einmal echte Argumente neben ihren zumeist naturverachtenden Dogmen haben… (OK, bei EHEC haben sie recht dumm geguggt – HARHAR :D)

Ich für meinen Teil denke, das Problem mit diesen ganzen Skandalen rührt durchaus daher, dass es uns eigentlich vollkommen Wurscht  is, was wir uns in den Verdauungstrackt jagen.

Wir behaupten die ganze Zeit, wir wollen ja nur unser bestes, aber wenn wir ehrlich auf uns selbst schauen, dann wollen wir zwar gerne das Beste, sind aber nicht bereit, irgendwas dafür zu tun.

Wir sind zu bequem, selbst zu kochen und schmeißen deshalb eben Tiefkühlfutter in die Mikrowelle. Steht doch “Top Qualität” drauf, oder? Aber uns muss einfach mal flächendeckend klar werden, dass nur weil ich auf meine Kloschüssel ein goldenes Krönchen male, noch lange keine Gourmetsuppenschüssel draus wird. Wenn ich für Scheiße bezahle, darf ich eben nicht Premium erwarten, egal wie viel goldene Ecken und Empfehlungen von Alfons Schuhbeck da drauf stehen.

Angebot und Nachfrage regieren hier mal wieder alles. Wenn wir uns also weigern, TK-Müll und Fertigpampe zu kaufen, sondern frische Lebensmittel konsumieren, bei denen wir die einzelnen Zustände selber gesehen oder am Teller noch nachvollziehen können, dann kann uns auch kaum noch jemand Müll unterjubeln.

Wir müssen anfangen, und wieder bewusster zu werden, dass das Wort “Lebensmittel” nicht nur aus Langeweile so heißt.

LEBENS-Mittel. Mittel zum LEBEN. Und nun möge jeder gerne selber drüber nachdenken, ob das die richtige Sektion in der Existenz ist, an der man den Rotstift ansetzen möchte. Sowohl in Sachen Qualität als auch Preis. Denn gut muss nicht teuer sein und umgekehrt.

In diesem Sinne:

Mahlzeit!

euer Cookiemonster

Der Festival-Wahn

Ich bin ein alter Sack. Das macht Spaß, weil ich mich “damals” immer tierisch über die alten Säcke aufgeregt habe, die mir mit “Jaaa, FRÜÜÜHER!!!!” gekommen sind. Heute mach ich das, und wirke ein wenig altklug in der Gegend rum. Warum? Na, weil ichs kann, ganz einfach!

Aber genug geplattitüdiert, SO alt bin ich nu auch wieder nicht mit meinen zarten Schnaps-33 Jahren. Ausserdem ist man immer so alt, wie man sich fühlt (geistig also zwischen 12 und 20, körperlich dauerhaft beinahe-dreistellig und weisheitstechnisch an die… wie alt is das Universum nochmal? 😉 )

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